Digitale Kommunikation: schnell, effizient – und rechtlich anspruchsvoll

Gespräch mit Bernard Steurer

Sie sind noch in einer weitgehend analogen Welt aufgewachsen. Wie erleben Sie die digitale Kommunikation heute?

Ich kenne Briefe, Faxgeräte und Telefone mit Kabel. Digitale Kommunikation hat den Informationsaustausch enorm beschleunigt: Heute kommunizieren wir über E-Mail, Messenger und Cloud-Plattformen innerhalb weniger Sekunden. Das eröffnet einerseits enorme Möglichkeiten, aber Geschwindigkeit verändert auch den Inhalt. Es scheint, als hätte die Masse die Qualität überholt.

Was hat sich durch künstliche Intelligenz besonders verändert?

Mit Werkzeugen wie ChatGPT, Copilot oder Gemini lassen sich Texte, Bilder, Präsentationen und Analysen in kürzester Zeit erstellen – auch in Sprachen, die man selbst kaum beherrscht. Das bringt einen deutlichen Produktivitätsschub. Künstliche Intelligenz ist jedoch nur ein Werkzeug: Sie ersetzt weder Erfahrung noch fachliche Beurteilung, und ein guter Prompt ist noch keine Kommunikationsstrategie.

Welche Rolle spielt KI in Online-Werbung und Digitaler Kommunikation?

Künstliche Intelligenz macht die Erstellung von Inhalten und Kampagnen schneller und für nahezu jeden zugänglich. Dadurch wächst jedoch vor allem die Menge, nicht aber automatisch die Qualität. Umso wichtiger sind eine klare Kommunikationsstrategie, fachliche Kontrolle und die Einhaltung rechtlicher Vorgaben, etwa zu Datenschutz, Tracking, Werbekennzeichnung und dem EU AI Act. Je mehr allgemeine Aufgaben von KI übernommen werden, desto wichtiger werden Spezialisten, die Inhalte richtig einordnen und für einen sicheren, rechtskonformen und wirtschaftlich sinnvollen Einsatz sorgen.

Wo liegen die größten Risiken für Unternehmen?

Viele Mitarbeitende nutzen digitale Systeme, ohne deren Funktionsweise und Risiken ausreichend zu kennen.

Dadurch können vertrauliche Informationen weitergegeben, Datenschutzvorgaben verletzt oder fehlerhafte Inhalte veröffentlicht werden. Nicht jeder, der ein Ergebnis erhält, kann dieses auch fachlich beurteilen, rechtlich einordnen oder verantwortungsvoll verwenden. Dazu kommt die kontinuierlich steigende Bedrohung durch Cyberkriminalität.

Warum betrifft das nicht nur die IT-Abteilung?

Arbeiten und Kommunizieren ohne IT ist heute kaum noch vorstellbar. Digitale Sicherheit und Compliance sind inzwischen daher Management-Aufgaben, besonders der Unternehmensführung. Geschäftsführungen und Führungskräfte müssen wissen, welche Systeme eingesetzt-, welche Daten verarbeitet werden und welche Maßnahmen erforderlich sind. Unwissenheit schützt weder vor Datenverlust noch vor Haftung.

Welche neuen gesetzlichen Anforderungen müssen Unternehmen beachten?

Mit dem EU AI Act, dem Cyberresilience Act oder dem NIS2 Gesetz steigen die Anforderungen auch an KMUs deutlich. Unternehmen müssen unter anderem sicherstellen, dass Mitarbeitende über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Auch kleinere Betriebe können mittlerweile betroffen sein, etwa als Teil einer relevanten Lieferkette. Deshalb sollte rechtzeitig geprüft werden, welche Verpflichtungen bestehen und unter welche Vorgaben und Gesetzte man aktuell fällt.

Wie sollte ein Unternehmen vorgehen, um Digital in keine kostspieligen Fallen zu tappen?

Unternehmen sollten nicht nur wissen, welche gesetzlichen Vorgaben für sie relevant sind, sondern auch, wie diese konkret auf die eigenen Strukturen und Prozesse anzuwenden sind. Da die rechtliche Einordnung oft komplex ist, kann es sinnvoll sein, externe Expertise beizuziehen. Bereits ein kurzes Erstgespräch ermöglicht häufig eine erste Einschätzung der eigenen Situation und des möglichen Handlungsbedarfs.

Als Unternehmensberater unterstütze ich dabei, konkrete Betroffenheiten zu klären, Risiken realistisch zu bewerten, Prioritäten festzulegen und praxistaugliche Maßnahmen zu entwickeln. Ziel ist keine unnötige Bürokratie, sondern ein sicherer, rechtlich tragfähiger und wirtschaftlich sinnvoller Umgang mit digitaler Kommunikation.

Zur Person Bernard Steurer:

Mag. Bernard Steurer ist Unternehmensberater und verbindet technische, rechtliche und unternehmerische Expertise, um Unternehmen bei NIS2 sowie der Cyber- und Informationssicherheit klar, praxisnah und wirtschaftlich sinnvoll zu unterstützen.

„Ein Auto manövrieren zu können, reicht nicht: Man muss auch die StVO kennen und einhalten. Genauso verhält es sich mit moderner digitaler Kommunikation. Mithilfe von KI einen Werbetext oder ein Werbebild zu generieren, ist einfach. Dies jedoch innerhalb eines gesetzlichen und kommunikativ sinnvollen Rahmens zu tun, wird wohl zusehends zur Kunst.“